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Hymn score of: Sei du mein Freund, und schau in meine Brust - Gebet (Johann Peter Lange/Johannes Thomas Rüegg)

Christ My Song - 1562

Sei du mein Freund, und schau in meine Brust - Gebet
(Johann Peter Lange/Johannes Thomas Rüegg)

Gebet.

"Meine Kindlein, solches schreibe ich euch, auf dass ihr nicht sündiget, und ob jemand sündigt, so haben wir einen Fürsprecher bei dem Vater, Jesum Christum, der gerecht ist." (1. Johannes 2,1)

1. Sei du mein Freund, und schau in meine Brust,
    Herr Jesu! Menschensohn!
Du kennst den frommen Trieb, die böse Lust
    im ersten Keime schon.
Du hast die Feuerquelle,
    das Menschenherz durchschaut,
und bist mit jeder Welle,
    die in ihm tobt, vertraut.

2. Du hattest unsre Schwachheit angetan,
    o Licht vom ewgen Licht!
Vor dir lag der Versuchung schwerste Bahn:
    du gingst – und wanktest nicht.
Du konntest weinen, beben,
    im Hochzeitssaal dich freun,
und bliebst im ganzen Leben,
    in jeder Prüfung rein.

3. Zu deinen Füßen lag die weite Welt
    mit jedem Zauberreiz.
Ein Wink von dir! sie war dein Königszelt:
    Du wähltest dir das Kreuz.
Fernab vom Königssitze
    gingst du in Pilgernot.
Du hattest tausend Blitze,
    und starbst den Schächertod.

4. Wie hat dich doch die arge Welt betrübt,
    verdammt in blinder Wut!
Und wie hast du die arme Welt geliebt,
    versöhnt mit deinem Blut!
Sie gab mit allen Pfeilen
    der Hölle dir den Tod;
du zogst an Liebesseilen
    sie aus der Hölle Not.

5. Zum Himmel kehrst du rein und reich zurück,
    mein Bruder, Gottes Bild!
Mich schlägt die Schuld vor seinem Flammenblick,
    sei meines Herzens Schild!
Von deiner Hand gehalten
    lass mich zum Vater flehn,
in deines Kleides Falten
    gehüllt sein Antlitz sehn.

6. Ja, sei mein Freund und schau in meine Brust,
    auf alles, was sie hegt,
was mich betrübt und was mir unbewusst
    der Sünde Samen trägt.
Die Lust, die im Geheimen
    mir Not und Schmerzen schafft,
verzehr in ihren Keimen
    durch deines Odems Kraft!

7. Erleuchte mich mit deinem reinen Licht
    bis auf den tiefsten Grund,
und lass mich dann im heißen Kummer nicht,
    o mach mich ganz gesund!
Die Bande jeder Sünde,
    die Flecken jeder Schuld,
und jedes Wahnes Binde
    nimm weg in treuer Huld.

Johann Peter Lange, Vom Oelberge - Alte und neue geistliche Lieder, 1852, 51-54.

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