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Hymn score of: Allmächt'ge Güte, Vater aller Wesen (Johann Gottfried Herder/Johannes Thomas Rüegg)

Christ My Song - 1647

Allmächt'ge Güte, Vater aller Wesen
(Johann Gottfried Herder/Johannes Thomas Rüegg)

Allmächt'ge Güte, Vater aller Wesen.

1. Allmächt'ge Güte, Vater aller Wesen,
  du Herz, das sich in jedem Herzen reget,
  du Mutterhand, die Alles hebt und träget,
und mich, auch mich zu deinem Kind erlesen:

2. ich knie vor dir, als Kind, in stiller Demut,
  du siehst ja innig, was ich will und denke,
  du lenkest selbst mein Herz, wenn ich es lenke,
und gibst mir selbst die Träne süßer Wehmut.

3. Mein tiefstes Dasein ist vor dir enthüllet,
  mein Lebensbuch ist vor dir aufgeschlagen,
  und manche Wünsche, die stumm in mir lagen,
eh ich sie wagte, hast du sie erfüllet.

4. Was kann ich dir, als was ich ganz bin, geben?
  Denn, Freund, du gabst mir, was ich bin und habe.
  Mein Wunsch, dir treu zu sein, ist deine Gabe,
mein Licht ist dein, mein Trost und all mein Leben.

5. Ach, wär ich, wozu mich dein Blick bestimmte!
  was sein zu sollen tief ich in mir fühle.
  Ich irre noch, ich irre fern vom Ziele,
und mancher Funk' erlosch, der in mir glimmte.

6. Freund meines Lebens, reiche deine Hände,
  o sei mir selbst der Führer, der mich leite,
  der Trieb, die Stimme, die mich stets begleite,
und meine Fehler selbst zum Guten wende!

7 . Nie will ich töricht dir mein Herz verhüllen,
  nie tobendkühn die Wahrheit von mir scheuchen.
  Wenn Alles weicht, sollst du nicht von mir weichen;
denn du nur kannst und wirst mein Herz erfüllen.

8. Du liebest mich, und hast mich stets geliebet,
  denn dein sind meiner Jugend frohe Zeiten,
  du wirst mich lieben, in die Ewigkeiten,
mich lieben, Herr, wie oft ich dich betrübet.

9. Gib mir auf meinem kurzen Lebenswege
  nur täglich reine Dankbarkeit und Freude,
  und frohen Mut, wenn ich unschuldig leide,
und neuen Mut zu jedem rauen Stege.

10. Und Glaub und Lieb, die Alles überwinden,
  und meiner ewgen Hoffnung neue Flügel;
  ich klimme ab und auf den Lebenshügel,
lass stets auf meiner Bahn, dich, Herr, mich finden.

11. Und was ich mir, erfleh ich auch den Meinen,
  die nah und ferne, Herr, wie ich, hintreten,
  an deine Knie sich schließen, in Gott beten;
erhör uns; Herr, wir sind, wir sind die Deinen.

Johann Gottfried Herder, bearbeitet, in: Johann Peter Lange, Deutsches Kirchenliederbuch, 1843, Lied 470.

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