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Hymn score of: Keine Schönheit hat die Welt (Angelus Silesius/Johannes Thomas Rüegg)

Christ My Song - 1656

Keine Schönheit hat die Welt (Angelus Silesius/
Johannes Thomas Rüegg)

Keine Schönheit hat die Welt.

1. Keine Schönheit hat die Welt,
die mir nicht vor Augen stellt
  meinen liebsten Jesus Christ,
  der der Schönheit Ursprung ist.

2. Wenn die Morgenröt' entsteht
und die goldne Sonn aufgeht,
  so gedenk ich alsobald
  seiner himmlischen Gestalt.

3. Wenn der frühe Tag anbricht,
mahnt er gleich mich an sein Licht:
  ach was ist für Herrlichkeit
  in dem Licht der Ewigkeit!

4. Seh ich auf zum Mondesglanz,
zu des Himmels Sternenkranz,
  so gedenk ich: der dies macht
  hat viel tausend größre Pracht.

5. Schau ich mir den Frühling an
und den bunten Wiesenplan,
  fällt mir's mit Bewundrung ein:
  "Ach wie muss der Schöpfer sein!"

6. Lieblich blüht die Lilienblum',
und sie ist der Gärten Ruhm:
  aber noch viel schöner ist
  meine Lilie Jesus Christ!

7. In den Blumen zart und fein,
wie sie immer mögen sein,
  wird erkannt und klar gespürt
  dessen Schönheit, der sie ziert.

8. Wenn ich zu der Quelle geh
und beim klaren Bächlein steh,
  so versenkt sich gleich in ihn,
  als den reinsten Quell, mein Sinn.

9. Zarte Schäflein machen mich
oft erseufzen inniglich:
  "Ach wie mild ist Gottes Lamm,
  meiner Seele Bräutigam!"

10. Lieblich singt die Nachtigall,
süß erklingt der Flöte Schall,
  aber über jeden Ton
  ist das Wort von Gottes Sohn.

11. Freundlich tönt es durch die Luft,
wenn das Echo wiederruft,
  aber nichts ist überall
  wie des Heilands Wiederschall.

12. Komm denn, Schönster, komm herfür,
komm und zeig dich selber mir,
  lass mich sehn dein eignes Licht
  und dein göttlich Angesicht.

13. O dass deiner Gottheit Glanz
meinen Geist umleuchte ganz,
  und der Strahl der Herrlichkeit
  mich entrück' aus Ort und Zeit!

14. Herr, so nimm das Dunkel hin,
was mir decket Geist und Sinn,
  dass ich dich zu jeder Frist
  sehe, wie du selber bist!

Angelus Silesius, alias Johannes Scheffler, bearbeitet,
in: Johann Peter Lange, Deutsches Kirchenliederbuch, 1843, Lied 662.

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