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Hymn score of: Mein Friedefürst! dein freundliches Regieren (Christian Friedrich Richter/Johannes Thomas Rüegg)

Christ My Song - 1696

Mein Friedefürst! dein freundliches Regieren
(Christian Friedrich Richter/Johannes Thomas Rüegg)

Mein Friedefürst!

1. Mein Friedefürst! dein freundliches Regieren
  stillt alles Weh', das meinen Geist beschwert;
  wenn sich zu dir mein zaghaft Herze kehrt,
so lässt sich bald dein Friedensgeist verspüren;
    dein Gnadenblick zerschmelzet meinen Sinn,
    und nimmt die Furcht und Unruh von mir hin.

2. Gewiss, mein Freund gibt solche edle Gaben,
  die alle Welt mir nicht verschaffen kann:
  schau an die Welt, schau ihren Reichtum an,
er kann ja nicht die müden Seelen laben,
    mein Jesus kann's, der tut's im Überfluss,
    wenn alle Welt zurücke stehen muss.

3. O süßer Freund, wie wohl ist dem Gemüte,
  das im Gesetz sich so ermüdet hat,
  und nun zu dir, dem Seelenleben, naht,
und schmeckt in dir die süße Wundergüte,
    die alle Angst, die alle Not verschlingt,
    und unsern Geist zur sanften Ruhe bringt.

4. Gewiss, mein Freund, wenn deine Liebeszeichen
  mein armes Herz so mildiglich durchgehn,
  so kann in mir ein reines Licht entstehn,
durch das ich kann das Vaterherz erreichen,
    in dem man nichts als nur Vergebung spürt,
    da eine Gnadenflut die andre rührt.

5. Je mehr das Herz sich zu dem Vater kehret,
  je mehr es Kraft und Seligkeit genießt,
  dass es dabei der Eitelkeit vergisst,
die sonst den Geist gedämpfet und beschweret;
    je mehr das Herz des Vaters Liebe schmeckt,
    je mehr wird es zur Heiligkeit erweckt.

6. Der Gnadenquell, der in die Seele fließet,
  der wird in ihr ein Brunn des Lebens sein,
  der in das Meer des Lebens fließt hinein,
in Lebensströmen wieder sich ergießet:
    behält in dir das Wasser seinen Lauf,
    so geht in dir die Frucht des Geistes auf.

7. Wenn sich in dir des Herren Klarheit spiegelt,
  die Freundlichkeit aus seinem Angesicht,
  so wacht in dir das Leben auf zum Licht;
die Heimlichkeit der Weisheit wird entsiegelt,
    ja selbst dein Herz in solches Bild verklärt,
    und alle Kraft der Sünden abgekehrt.

8. Was dem Gesetz unmöglich war zu geben,
  das bringt alsdann die Gnade selbst herfür;
  sie wirket Lust zur Heiligkeit in dir
und ändert nach und nach dein ganzes Leben,
    indem sie dich aus Kraft in Kräfte führt,
    und mit Geduld und Langmut dich regiert.

9. Es müsse doch mein Herz nur Christus schauen!
  Besuche mich, mein Ausgang aus der Höh!
  dass ich das Licht in deinem Lichte seh
und könne ganz und gar der Gnade trauen;
    kein Fehler sei so groß und schwer in mir,
    dass diesen Blick der Liebe ich verlier.

10. Wenn meine Schuld mich vor dir niederschläget,
  und deinen Geist der Kindschaft in mir dämpft,
  wenn das Gesetz mit meinem Glauben kämpft,
und lauter Angst und Furcht in mir erreget:
    so lass mich doch dein treues Herze sehn,
    und neue Kraft und Zuversicht entstehn.

11. So ruh ich nun, mein Heil! in deinen Armen,
  du selbst sollst mir mein ewger Friede sein,
  ich hülle mich in deine Gnade ein,
mein Element ist ewig dein Erbarmen;
    und weil du mir mein Ein und Alles bist,
    so ist's genug, wenn dich mein Geist genießt.

Christian Friedrich Richter, bearbeitet, in: Johann Peter Lange,
Deutsches Kirchenliederbuch, 1843, Lied 522.
1,3 hat "blödes" statt "zaghaft".

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