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Christ My Song - 1712

Schwing dich auf zu deinem Gott
(Paul Gerhardt/Johannes Thomas Rüegg)

Schwing dich auf zu deinem Gott.

1. Schwing dich auf zu deinem Gott,
  du betrübte Seele;
warum liegst du, Gott zum Spott,
  in der Schwermutshöhle?
Merkst du nicht des Satans List?
  Er will durch sein Kämpfen
deinen Trost, den Jesus Christ
  dir erworben, dämpfen. PDF - Midi

2. Schüttle deinen Kopf und sprich:
  Flieh, du alte Schlange;
was erneu'rst du deinen Stich,
  machst mir angst und bange?
Ist dir doch der Kopf zerknickt,
  und ich bin durchs Leiden
meines Heilands dir entrückt
  in den Saal der Freuden.

3. Wirfst du mir die Sünden für?
  Wo hat Gott befohlen,
dass mein Urteil ich bei dir
  über mich soll holen?
Wer hat dir die Macht geschenkt,
  andre zu verdammen,
der du selbst doch liegst versenkt
  in den Höllenflammen?

4. Hab ich was nicht recht getan,
  ist mir's leid von Herzen,
doch dagegen nehm ich an
  Christi Blut und Schmerzen;
denn das ist das Lösegeld
  meiner Missetaten:
bin ich so vor Gott gestellt,
  ist mir wohl geraten.

5. Christi Unschuld ist mein Ruhm,
  sein Recht meine Krone,
sein Verdienst mein Eigentum,
  darin ich frei wohne,
als in einem festen Schloss,
  das kein Feind kann fällen,
brächt' er gleich davor Geschoss
  und Gefahr der Höllen.

6. Stürme Teufel, und du Tod,
  was könnt ihr mir schaden?
Deckt mich doch in meiner Not
  Gott mit seinen Gnaden,
der Gott, der mir seinen Sohn
  selbst verehrt aus Liebe,
dass der ewge Spott und Hohn
  mich dort nicht betrübe.

7. Was ist unterm Himmelszelt,
  was im tiefen Meere,
was ist Gutes in der Welt,
  das mir nicht gut wäre?
Für wen brennt das Sternenlicht?
  Wozu ist gegeben
Luft und Wasser? dient es nicht
  mir und meinem Leben?

8. Meine Seele lebt in mir
  durch die süßen Lehren,
die die Christen mit Begier
  alle Tage hören.
Gott eröffnet früh und spat
  meinen Geist und Sinnen,
dass sie seines Geistes Gnad
  in sich ziehen können.

9. Ich bin Gottes, Gott ist mein;
  wer ist, der uns scheide?
Dringt das liebe Kreuz herein
  mit dem bittern Leide;
lass eindringen, kommt es ja
  von geliebten Händen,
bricht und liegt vernichtet da,
  wenn es Gott will enden.

10. Kinder, die der Vater soll
  ziehn zu allem Guten,
die geraten selten wohl
  ohne Zucht und Ruten;
bin ich denn nun Gottes Kind,
  warum will ich fliehen,
wenn er mich von meiner Sünd
  auf was Guts will ziehen?

11. Es ist herzlich gut gemeint
  mit der Christen Plagen.
Wer hier in der Zeit geweint,
  darf nicht ewig klagen;
sondern hat vollkommen Lust
  dort in Christi Garten,
dem sein Gang ist wohl bewusst,
  endlich zu erwarten.

12. Gottes Kinder säen zwar
  traurig und mit Tränen;
aber endlich kommt das Jahr,
  danach sie sich sehnen.
Ja es kommt die Erntezeit,
  da sie Garben machen:
da wird all ihr Gram und Leid
  lauter Freud' und Lachen.

13. Ei, so fass, o Christenherz,
  alle deine Schmerzen,
wirf sie fröhlich hinterwärts,
  lass des Trostes Kerzen
dich entzünden mehr und mehr;
  gib dem großen Namen
deines Gottes Preis und Ehr.
  Er wird helfen: Amen!

Paul Gerhardt, bearbeitet, in: Johann Peter Lange, Deutsches Kirchenliederbuch, 1843, Lied 628.

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