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Hymn score of: Mein Jesu, dem die Seraphinen (Wolfgang Christoph Deßler/Johannes Thomas Rüegg)

Christ My Song - 101

Mein Jesu, dem die Seraphinen
(Wolfgang Christoph Deßler/Johannes Thomas Rüegg)

Mein Jesu, dem die Seraphinen.

1. Mein Jesu, dem die Seraphinen
  im Glanz der höchsten Majestät
selbst mit bedecktem Antlitz dienen,
  wenn dein Befehl an sie ergeht;
wie sollten blöde Fleischesaugen,
  die der verhassten Sünden Nacht
  mit ihrem Schatten trüb gemacht,
dein helles Licht zu schauen taugen?

2. Doch gönne meinen Glaubensblicken
  den Eingang in dein Heiligtum,
und lass mich deine Gnad erquicken
  zu meinem Heil und deinem Ruhm;
reich deinen Zepter meiner Seele,
  die sich, wie Esther, vor dir neigt
  und dir als deine Braut sich zeigt;
sprich: ja du bist's, die ich erwähle.

3. Sei gnädig, Jesu! voller Güte,
  dem Herzen, das nach Gnade lechzt,
hör, wie mein sehnendes Gemüte:
  Gott sei mir Armen gnädig! ächzt.
Ich weiß, du kannst mich nicht verstoßen;
  wie könntest du ungnädig sein
  mir, den dein Blut von Schuld und Pein
erlöst, da es so reich geflossen?

4. Ich fall in deine Gnadenhände
  und bitte mit dem Glaubenskuss:
gerechter König! wende, wende
  die Gnade zu der Herzensbuß';
ich bin gerecht durch deine Wunden,
  und nichts Verdammlich's ist an mir;
  bin aber ich versöhnt mit dir,
so bleib' ich auch mit dir verbunden.

5. Ach, lass mich deine Weisheit leiten,
  und nimm ihr Licht nicht von mir weg,
stell deine Gnade mir zur Seiten,
  dass ich auf dir beliebtem Steg
beständig bis ans Ende wandle,
  damit ich auch zu dieser Zeit
  in Lieb und Herzensfreudigkeit
nach deinem Wort und Willen handle.

6. Reich mir die Waffen aus der Höhe,
  und stärke mich durch deine Macht,
dass ich im Glauben sieg und stehe,
  wenn Stärk' und List der Feinde wacht;
so wird dein Gnadenreich auf Erden,
  das uns zu deiner Ehre führt
  und endlich gar mit Kronen ziert,
auch in mir ausgebreitet werden.

7. Ja, ja, mein Herz will dich umfassen,
  erwähl es, Herr! zu deinem Thron;
hast du aus Lieb ehmals verlassen
  des Himmels Pracht und deine Kron',
so würd'ge auch mein Herz, o Leben!
  und lass es deinen Himmel sein,
  bis du, wenn dieser Bau fällt ein,
mich wirst in deinen Himmel heben.

8. Ich steig hinauf zu dir im Glauben,
  steig du in Lieb herab zu mir;
lass mir Nichts diese Freude rauben,
  erfülle mich nur ganz mit dir.
Ich will dich fürchten, lieben, ehren,
  so lang in mir das Herz sich regt,
  und wenn dasselb' auch nicht mehr schlägt,
soll ewig doch die Liebe währen!

Wolfgang Christoph Deßler, in: Geistlicher Liederschatz, 1842, Lied 583.
In 3,3 dort "wie die Zung' in dem Gemüte", hier abgeändert mit Philip Schaff,
Deutsches Liederbuch, ca. 1874, Lied 150 zu: "wie mein sehnendes Gemüte".
1,5: "blöde" hat die ältere Bedeutung von "schwach".

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