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Hymn score of: Ich will von meiner Missetat (Luise Henriette, Kurfürstin von Brandenburg/Johannes Thomas Rüegg)

Christ My Song - 1657

Ich will von meiner Missetat
(Luise Henriette, Kurfürstin von Brandenburg/
Johannes Thomas Rüegg)

Ich will von meiner Missetat.

1. Ich will von meiner Missetat
  zum Herren mich bekehren.
Du wollest selbst mir Hilf' und Rat
  hierzu, o Gott! bescheren,
und deines guten Geistes Kraft,
der neue Herzen in uns schafft,
  aus Gnaden mir gewähren.

2. Von sich aus kann ein Mensch doch nicht
  sein Elend recht empfinden;
er ist, ohn' deines Geistes Licht,
  blind, taub und tot in Sünden;
verkehrt ist Will', Verstand und Tun;
dem großen Jammer woll'st du nun,
  o Vater! mich entwinden.

3. Klopf durch Erleuchtung bei mir an,
  und führ mir's wohl zu Sinnen,
was Böses ich vor dir getan;
  du kannst mein Herz gewinnen,
dass ich aus Kummer und Beschwer
lass über meine Wangen her
  viel heiße Tränen rinnen.

4. Wie hast du doch an mich gewandt
  den Reichtum deiner Gnaden!
Mein Leben dank ich deiner Hand,
  du hast mich überladen
mit Ruh, Gesundheit, Ehr und Brot,
du machst, dass mir noch keine Not
  bisher hat können schaden.

5. Du hast in Christo mich erwählt
  tief aus der Hölle Fluten,
dass mir es niemals hat gefehlt
  an irgend einem Guten;
und dass ich ja dein eigen sei,
hast du mich auch aus großer Treu
  gestäupt mit Vatersruten.

6. Wer gibt den Kindern, was du mir
  gegeben zu genießen?
Schenk aber ich Gehorsam dir?
  Das zeuget mein Gewissen,
mein Herz, in welchem nichts gesund,
das tausend Sünden alle Stund'
  zum Abgrund hingerissen.

7. Bisher hab ich in Sicherheit
  fast unbesorgt geschlafen,
gesagt: es hat noch lange Zeit,
  Gott pflegt nicht bald zu strafen,
er fähret nicht mit unsrer Schuld
so stenge fort, es hat Geduld
  der Hirte mit den Schafen.

8. Dies Alles jetzt zugleich erwacht,
  mein Herz will mir zerspringen;
ich sehe deines Donners Macht,
  dein Feuer auf mich dringen;
es regt sich wider mich zugleich
des Satans und der Hölle Reich,
  die wollen mich verschlingen.

9. Die mich verfolgt, die große Not,
  fährt schnell ohn Zaum und Zügel.
Wo flieh ich hin? du Morgenrot,
  erteil mir deine Flügel,
verberge mich, o fernes Meer!
stürzt hoch herab, fallt auf mich her,
  ihr Klippen, Berg' und Hügel!

10. Nein, du sollst meine Zuflucht sein,
  du hast mich überwunden;
ich hab in Christi Kreuzespein
  dein Herz, mein Gott, gefunden,
sein Tod ist meiner Schuld Gericht,
doch auch mein Heil und Lebenslicht,
  hat mich mit ihm verbunden.

11. Führ mich zum Vater, Gottes Sohn,
  du Herr in meinem Leide,
lass stehn mich vor dem Gnadenthron
  mit dir im weißen Kleide,
im Frieden deiner Kreuzesnot,
getauft, getaucht in deinen Tod,
  in deines Lebens Freude.

12. So will in deinem Namen ich
  vor Gottes Thron erscheinen,
ich bin gewiss, er segnet mich,
  mit dir und mit den Deinen.
Er zeigt mir die Barmherzigkeit,
die mir zum Heil gewandt mein Leid,
  mit ihm mich zu vereinen.

13. Wie werd ich mich mein Leben lang
  nun vor der Strafe scheuen,
durch deines guten Geistes Zwang,
  den du mir woll'st verleihen,
dass er von aller Sündenlist
und dem, was dir zuwider ist,
  helf' ewig mich befreien.

Luise Henriette, Kurfürstin von Brandenburg, bearbeitet,
in: Johann Peter Lange, Deutsches Kirchenliederbuch, 1843, Lied 442.

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