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Hymn score of: Geht nun hin und grabt mein Grab - Abschied von den Schatten (Ernst Moritz Arndt/Johannes Thomas Rüegg)

Christ My Song - 221

Geht nun hin und grabt mein Grab - Abschied von den Schatten (Ernst Moritz Arndt/Johannes Thomas Rüegg)

Abschied von den Schatten.

1. Geht nun hin und grabt mein Grab,
  denn ich bin des Wanderns müde!
Von der Erde scheid ich ab,
  denn mir ruft des Himmels Friede,
    denn mir ruft die süße Ruh
    von den Engeln droben zu.

2. Geht nun hin und grabt mein Grab!
  Meinen Lauf hab ich vollendet,
lege nun den Wanderstab
  hin, wo alles Ird'sche endet,
    lege selbst mich nun hinein,
    in das Bette sonder Pein.

3. Was soll ich hienieden noch
  in dem dunkeln Tale machen?
Denn wie mächtig, stolz und hoch
  wir auch stellen unsre Sachen,
    muss es doch wie Sand zergehn,
    wenn die Winde drüber wehn.

4. Darum, Erde, fahre wohl,
  lass mich nun im Frieden scheiden!
Deine Hoffnung, ach! ist hohl,
  deine Freuden selbst sind Leiden,
    deine Schönheit Unbestand,
    eitel Wahn und Trug und Tand.

5. Darum letzte gute Nacht,
  Sonn und Mond und liebe Sterne!
Fahret wohl mit eurer Pracht!
  Denn ich reis' in weite Ferne,
    reise hin zu jenem Glanz,
    worin ihr erbleichet ganz.

6. Die ihr nun in Trauer geht,
  fahret wohl, ihr lieben Freunde!
Was von oben niederweht,
  tröstet ja des Herrn Gemeinde.
    Weint nicht ob dem eitlen Schein:
    droben nur kann's ewig sein.

7. Weinet nicht, dass ich nun will
  von der Welt den Abschied nehmen,
dass ich aus dem Irrland will,
  aus den Schatten, aus den Schemen,
    aus dem Eitlen, aus dem Nichts
    hin ins Land des ewgen Lichts!

8. Weinet nicht! Mein süßes Heil,
  meinen Heiland hab ich funden,
und ich habe auch mein Teil
  in den warmen Herzenswunden,
    woraus einst sein teures Blut
    floss der ganzen Welt zu gut.

9. Weint nicht! Mein Erlöser lebt!
  Hoch vom finstern Erdenstaube
hell empor die Hoffnung schwebt,
  und der Himmelsheld, der Glaube,
    und die ewge Liebe spricht:
    Kind des Vaters, zittre nicht!

Ernst Moritz Arndt, in: Philip Schaff: Deutsches Gesangbuch, ca. 1884, Lied 537;
und in: Joseph Knapp: Albert Knapps Evangelischer Liederschatz, 1891, Lied 2960.

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